EE01 — The Spectre of Eurocommunism
(Das Gespenst des Eurokommunismus)
(Das Gespenst des Eurokommunismus)
«Europa ist ein bewegliches Ziel», schrieb Ben Lerner für unsere Filme. Es begann als Kurzfilm an der irischen Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland, wo sich zwei Freunde treffen: Patrick McCabe, der irische Schriftsteller, und Colin MacCabe, der Filmproduzent (unter anderem dieser Trilogie) und Literaturkritiker. Zunächst wollte Colin eigentlich gar nicht in dem Film mitspielen, doch dann wurde es immer mehr ein Film über ihn. Wir entdeckten Filmmaterial von einem philosophischen Kongress, den er 1984 organisiert hat. Nicht nur Colins Mentor Raymond Williams war dort, sondern auch Jacques Derrida. Kurz zuvor war Colin in Cambridge gefeuert worden, weil er ein Poststrukturalist war – obwohl er den Begriff vorher nie gehört hatte –, aber offensichtlich war Colin da schon ein Ex-Maoist. Genau wie Jean-Luc Godard. Colin hat nicht nur mehrere Bücher über ihn geschrieben, sondern Godard war auch seine Inspiration, zum Film zu gehen. Oder wie man damals sagte: Kino zu machen. Was uns besonders beeindruckte, war, dass Colin ein Eurokommunist war und es bis heute geblieben ist. Das geht zurück auf seinen Helden Antonio Gramsci, der unter Mussolini im Gefängnis starb und der sagte, man müsse nicht 30 % oder 50 % der Menschen überzeugen, sondern 80 %. Indem die Kultur eines Landes sich ändert. Die Familie von Colins Sohn lebt in Italien, und er selbst verbringt mindestens die Hälfte des Jahres dort. Deshalb handelt der erste Film „The Spectre of Eurocommunism“ viel von Italien, vom Marmor in Carrara, von Oliven, Eselrennen und der Linken.
EE02 — Infinite Histories (Unendliche Geschichten)
Der zweite Film, Infinite Histories, beginnt mit Aufnahmen von Enrico Berlinguers Beerdigung in Rom im Jahr 1984. Über eine Million Menschen nahmen daran teil. Berlinguer war der Vorsitzende der italienischen (Euro-)Kommunistischen Partei und gilt bis heute als Held. Schauspieler wie Marcello Mastroianni und Filmregisseure wie Michelangelo Antonioni, Federico Fellini und Francesco Rosi standen an seinem Sarg. Auch Michail Gorbatschow war dort, wenige Jahre später war er es, der Offenheit und Transparenz in die Sowjetunion brachte. Und damit die Welt grundlegend veränderte. Genau darum geht es im zweiten Film: 1989–91, der Fall des kommunistischen Ostblocks, insbesondere Rumänien, Albanien, Polen, das geteilte Deutschland mit Berlin und Jugoslawien. „Das Ende der Geschichte“, wie Francis Fukuyama es nannte, und was darauf folgte. Kurz darauf drehte Krzysztof Kieślowski seine Drei-Farben-Trilogie über die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Kieślowskis Blau dreht sich um ein ‚Lied für die Einheit Europas‘.
EE03 — Democratic Socialism (Demokratischer Sozialismus)
In den acht Jahren, in denen die Filme entstanden, entwickelten sie sich zu einem Projekt über die Linke, über das Kino, Fernsehen, Bücher, über den Begriff Kultur als politische Mobilisierung, über Freundschaft und nicht zuletzt über Utopien. Europia, Newtopia, Eutopa, Newropia… Der dritte Film, Democratic Socialism, handelt von einer besseren Welt. Es ist ein Rückblick aus der Zukunft,–– genauer gesagt aus dem Jahr 2038, der Zeit der New Serenity. Anhand von Ideen und Konzepten aus der Gegenwart, zeigen wir, wie wir dorthin gelangen konnten. Geschirrspüler oder Waschmaschinen? Aber auch konkrete Programme, wie die Hauskraftwerke in einer Londoner Straße, ein Flüchtlingsprojekt in einem Kohlebergbaugebiet und wie die Bauindustrie endlich in einer zikulären Wirtschaft ankommen konnte. Alles fing lokal an und musste hochskaliert werden. Das Gute an Europa zu zeigen – das war der Ausgangspunkt dieser Filme. Keine Zeit zu jammern, feiert Europa!